Pressemitteilung der Stadt Marburg zur Gemeinwohlbilanz von Foster-Natur

Wirtschaften mit Blick auf Nachhaltigkeit und Menschenwürde Marburger Unternehmen stellen erste Gemeinwohlbilanz vor

 

Marburg (). Die Marburger Unternehmen „Foster Naturkleidung“ und „Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung“ haben gemeinsam mit Bürgermeister und Umweltdezernent Dr. Franz Kahle die Ergebnisse einer von ihnen erstellten Gemeinwohlbilanz vorgestellt, in der es unter anderem um ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität, Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit des Wirtschaftens geht.

 

Zusammen mit den Frankfurter Unternehmen „Ananjo Informatiker“ und der „Agentur Lindenfeld“ wurde im Sommer 2016 eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung und zur gegenseitigen Bewertung gegründet. Den rund zehn Monate dauernden Prozess begleiteten die Beraterin Ulrike Häußler und der Berater Jörg-Arolf Wittig nach dem Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie.

 

„Es ist für die Stadt ein ungewöhnliches Thema“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle im Rathaus. Gleichwohl stelle er das Projekt gerne mit vor, schließlich decke es sich in bestimmten Bereichen mit den Zielen der Universitätsstadt Marburg und des Fachdienstes Umwelt- und Naturschutz, Fairer Handel und Abfallwirtschaft. Die Stadt Marburg fördert Projekte, die den fairen Handel international, aber auch innerhalb Deutschlands stärken. Fachdienstleiter Jochen Friedrich lobte das Engagement der Marburger Unternehmen: „Gemeinwohlorientierung ist absolut unterstützenswert“.

 

Bei der vor rund zehn Jahren in Österreich entwickelten Idee der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) handelt es sich um ein alternatives Wirtschaftssystem, das sich als Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft versteht. Die GWÖ zielt ab auf die Werte Menschenwürde, Solidarität, Ökologische Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz, erläuterte Wittig.

 

Er betonte, dass diese Werte in allen modernen, demokratischen Verfassungen verankert seien. Mit Blick auf die Rolle der Wirtschaft legt etwa die Verfassung des Landes Hessen in Artikel 38 fest: „Die Wirtschaft des Landes hat die Aufgabe, dem Wohle des ganzen Volkes und der Befriedigung seines Bedarfs zu dienen.“ Umfragen hätten jedoch ergeben, dass sich die Menschen wünschten, dass dieses Ziel verstärkt verfolgt wird.

 

Die GWÖ stelle den Menschen und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt des Wirtschaftens und biete eine Alternative zum herrschenden Wirtschaftssystem, das in den vergangenen Jahrzehnten zu sozialen und ökologischen Verwerfungen geführt hat, so Wittig weiter. Herzstück der GWÖ sei die Gemeinwohlbilanz (GWB). Mit ihrer Hilfe werde der Erfolg eines Unternehmens nicht mehr länger einseitig an monetären Größen festgemacht.

 

Inhaber Lars Volkmar von Foster Naturkleidung und Josef Rother, Gesellschafter der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung, berichteten von ihrer Motivation zur Teilnahme. „Wir sind ein Pionier der Naturtextilwirtschaft“, sagte Volkmar nicht ohne Stolz. Im Kerngeschäft schneide sein Unternehmen hervorragend ab. „In anderen Bereichen sind wir aber so konventionell, wie andere auch“, schränkte er ein. Verbesserungsmöglichkeiten in Sachen Transparenz oder Mitarbeitendenbeteiligung werde es geben, sagte er.

 

Nachhaltigkeit stehe in seinem Unternehmen seit Gründung ganz oben, berichtete Rother. Es gehe aber auch um die Frage, „warum steht der Mitarbeiter morgens auf?“ Deshalb habe die Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung ein solidarisches Geschäftsmodell. „Gemeinwohlorientierung ist keine Spinnerei“, hob Rother hervor. Mobilität von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lasse sich zum Beispiel nicht nur über Kosten darstellen, sondern auch darüber, wieviel Kohlendioxid zugunsten der Umwelt eingespart wird. Im Unternehmen wird häufig Rad gefahren und für lange Fahrten die Bahn genommen. Auch ihm habe die Bilanz noch eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen aufgezeigt. Rother hofft, dass seine Auftraggeberinnen und Auftraggeber, Kommunen und Regionen, zukünftig bei Ausschreibungen auch das Gemeinwohl eines Unternehmens stärker berücksichtigen werden.

 

Die GWB übertrage die heute schon gültigen Beziehungs- und Verfassungswerte auf den Markt, indem sie die Wirtschaftsakteure dafür belohnt, dass sie sich human, wertschätzend, kooperativ, solidarisch, ökologisch und demokratisch verhalten und organisieren. „Sie macht die Werte der Gesellschaft zu den Werten der Wirtschaft“, so Wittig. Weltweit haben bislang rund 350 Unternehmen eine Gemeinwohlbilanz erstellt, im deutschen Sprachraum sind es etwa 160. Ziel sei es, dass immer mehr Unternehmen in diesem Sinne handeln und wirtschaften.

 

Nachfragen beantwortet die Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung, Josef Rother, Ockershäuser Allee 40b, 35037 Marburg, per Telefon unter (06421) 1728-0, E-Mail an rother@gefak.de oder Fax an (06421) 1728-28.

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